Scharfe Kritik an neuen Notfallbetreuungsregeln

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Scharfe Kritik an neuen Notfallbetreuungsregeln

Die Kita-Leiterin Monika Kulzer ist über die Vorgaben des Ministeriums verwundert: Sie spricht von „Hauruckempfehlungen“.

Bis Pfingsten soll nun die Hälfte der betreuten Kinder wieder in den Kitas betreut werden, nach Pfingsten alle Kinder, so kündigte Bayerns Ministerpräsident an. Für viele Familien bedeutet dieser Schritt eine sehr große Erleichterung.

„Die Umsetzung wird nicht einfach“, so Monika Kulzer, Leiterin des Kinderhauses, „ist aber durchaus machbar.“ In St. Paulus werden ab dieser Woche schon über 53 der insgesamt 139 Kinder betreut. Ende letzter Woche kamen die erhofften Vorgaben vom Sozialministerium. Vor allem ein Passus im Schreiben stößt bei Kulzer aber auf große Verwunderung. „Sofern eine Einrichtung sehr viele Kinder betreut, eine andere Einrichtung aber keine bzw. nur sehr wenige Kinder, stellt das Ministerium anheim, feste Gruppen mit Einverständnis der Eltern in eine andere Einrichtung zu verlagern.“

„Wir haben keine Schachfiguren, sondern Kinder, die erleben mussten, dass ihr Leben in den letzten acht Wochen komplett aus den Fugen geraten ist“, äußert sich die Leiterin dazu. „Endlich treten die erhofften Lockerungen ein, Kinder können wieder ihre Freunde und Spielgefährten aus dem Kinderhaus treffen. Jetzt sind Feinfühligkeit und Empathie gefragt, um den Kindern wieder ein Stück Normalität zu ermöglichen und nicht ‚Hauruckempfehlungen‘, die fern jeder Pädagogik seien.

Auch könne so eine Regelung nur kurzfristig eine Möglichkeit sein, da alle Einrichtungen wieder hochfahren müssen. In spätestens einer Woche stünde man wieder vor dem gleichen Dilemma. Kulzer fordert, dass das Ministerium endlich präzisiert, was unter einer „kleinen“ Gruppe zu verstehen ist. Im Newsletter werde nur klargestellt, dass keine Begrenzung der Gruppengröße auf fünf Kinder existiere. Aber wann betreut eine Einrichtung dann in ihren Gruppen zu viele Kinder? Wer entscheidet, dass zu viele Kinder betreut werden? Fünf Kinder sind es nicht pro Gruppe. Liegt die Grenze dann bei 6,7 oder acht Kindern?

„Mit solchen Vorgaben ist es sehr schwer, in der Praxis zu arbeiten“, so Kulzer. Die Kinder müssten konstanten Gruppen und Personal wie auch Räumen zugeordnet werden. Irgendwann reichten Personal und Räume nicht mehr aus, wenn mit einer Öffnungszeit von 6 bis 17 Uhr sowie wechselnden Bring- und Abholzeiten gerechnet werden muss. Betreuung soll sein, aber klare Aussagen würden nicht getroffen. Vielmehr entstehe der Eindruck, dass niemand den „Schwarzen Peter“ haben möchte, wenn Erkrankungen auftreten. Die Leittragenden in diesem Spiel sind die Familien mit ihren Kindern und die Einrichtungen vor Ort, die wie immer versuchen das Beste aus dieser Situation zu machen.